Machtspiele – Mein Kollege, das Äffchen

Letzte Woche hat mich der Verwaltungsleiter, nennen wir ihn Thomas, in sein Büro zitiert mit den Worten: „Ich glaube, ich muss dir mal die Strukturen hier erklären“. Um mir dann klar zu machen, dass, wenn der Chef nicht im Haus ist, er der Chef ist.

Nicht, dass ich eine Erklärung gebraucht hätte. Seine Begrüßung am Montag, dem ersten Urlaubstag unseres Chefs, „Moin! Diese Woche heiße ich Chef. Ich darf Leute abmahnen, einstellen und entlassen“, sprach eigentlich für sich. Aber ich finde es ja immer eher putzig, wenn die Jungs im Büro wie Mandrill-Äffchen ihre bunten Ärsche in die Luft strecken, um ihre Dominanz zu demonstrieren. Beeindrucken tut mich dagegen nur ein echter Silberrücken. Einer, der gar nichts machen muss, und man weiß trotzdem, wo der Hase lang läuft. Aber sowas gibt’s ja heute fast gar nicht mehr.

Jedenfalls, während der Chef im Urlaub war, wollte Thomas gern das Budget für das nächste Jahr fertigmachen und bat mich um meine Zahlen. Die ich nicht kannte. Denn weder hatte der Chef bis dahin mein Budget mit mir besprochen, noch hatte er mir gesagt, dass ausgerechnet während er nicht da ist, ich mit dem Verwaltungsleiter meine Zahlen klären muss. Außerdem war mir beim ersten Durchsehen des Entwurfs von Thomas sofort aufgefallen, dass die Ausgangswerte offenbar seit Jahren falsch waren, und ich wollte nicht als erste Amtshandlung alle Beteiligten als Idioten outen. Also war ich sehr gechillt, nach dem Motto: Wenn Cheffe nicht da, damit ich meine Zahlen und Korrekturen erstmal mit ihm abstimmen kann, hat das Budget auch bis Montag Zeit.

Aber anscheinend erlebt Thomas das nicht so oft, dass jemand ihn derart auflaufen lässt. Und als ich dann von ihm auch noch irgendwas wollte, für das seine Abteilung zuständig ist, ist er richtig ausgeflippt. „Was ist das für eine Art, wenn ich das Budget von dir haben will und du meinst, du musst das nicht machen! Wenn Chef nicht da ist, hab ich hier das Sagen, auch dir gegenüber!“

Ähm. Nein. Wenn mein Chef nicht da ist, entscheide ich selbst oder warte, bis Chef wieder da. Du bist der Verwaltungsleiter, ohne dich funktioniert hier gar nichts, das respektiere ich und damit kann ich auch leben. Aber mein Chef ist mein Chef. Der liegt auch nicht im Koma, der ist im Urlaub. Der beantwortet dann sogar Emails. Sagt Thomas: „Ja, ich wollte Chef nicht in cc setzen, wie hätte das ausgesehen? Aber wenn ich das muss, dann tu ich das.“ Das dumme Gesicht, als ich geantwortet habe: „Ja, aus demselben Grund habe ich ihn auch nicht in cc gesetzt.“ Wunderbar. Ich glaube, er hatte echt erwartet, dass es mich einschüchtert, wenn er in Aussicht stellt, den Chef zu informieren.

Also hatten wir eine Pattsituation. Fuck. Albern, aber menschlich. Thomas will seine Machtposition sichern, dabei will ich seine Position gar nicht. Sondern die von Cheffe. Aber das kann ich ihm so natürlich nicht sagen. Also schwenke ich um, lenke erstmal ein, mache ihm klar, dass ich auch auf seine Kooperation angewiesen bin, damit es in meiner Abteilung läuft. Er hat keine Chance, er muss drauf einsteigen. Vielleicht glaubt er mir sogar. „Du kannst mich auch immer fragen, Chaos, vielleicht hast du ja auch die Excel-Tabelle nicht richtig verstanden.“ „Ja, danke, Thomas“, sage ich und überarbeite seinen Budgetentwurf so, dass er ihn Montag dem Chef präsentieren kann.

Er schüttelt seinen kleinen Pavianarsch: gewonnen.

Zwei Stunden später fragt er nach, wie meine Änderungen am Budget zustande kommen. Rechnet nach, findet keinen Fehler. Schade, dass ich nicht Mäuschen in seinem Büro sein konnte. Muss der gekotzt haben!

Excel-Tabelle nicht richtig verstanden, ja, genau. Mein Budget hat der Chef jedenfalls mit einem 10% Plus geschluckt.

Rock ’n Roll, Excel-Königin!

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